Sommerekzem – eine moderne Allergie

Sommerekzem – eine moderne Allergie

Während für die meisten Pferde und Reiter jetzt die schönste Zeit beginnt, fürchten die Besitzer von Ekzemerpferden die kommenden Monate. Und jedes Jahr stellt sich die gleiche Frage: „wie helfe ich meinem Ekzemer?“. Bestimmt nicht selten wurde das Wort „Sommerekzem“ schon bei Google eingetippt und dann werden einem viele Seiten und Produkte vorgeschlagen, die mit DEM Mittel gegen das Sommerekzem werben. Nach fachlichen und wissenschaftlichen Beiträgen muss man schon etwas länger und genauer suchen. Auch wir im Helle Kleven Shop werden nicht selten um Rat gefragt und gerne würden wir euch DIE Lösung verraten. Jedoch ist dieses Thema sehr komplex und deswegen soll euch dieser Blog-Beitrag zumindest ein wenig Licht ins Dunkle bringen. Dabei wird es eine Mischung aus den aktuellsten Forschungen und Kenntnissen gepaart mit einem Erfahrungsbericht. Denn auch zwei von Maresa’s Pferden leiden unter dieser Allergie.

Sommerekzem bedeutet eine allergische Reaktion des Allergietyps I. Eine allergische Reaktion wiederum ist eine Überempfindlichkeitsreaktion auf einen bestimmten Stoff. Das Immunsystem versagt an dieser Stelle, da der Körper nicht in der Lage ist Antikörper bzw. Antigene zu bilden. Die Folge ist nicht zu übersehen: das Pferd leidet z.T. monatelang an einem starken Juckreiz. Und wenn das Pferd erst einmal reagiert hat, neigt es auch in den darauffolgenden Jahren allergische Reaktionen zu zeigen. Bekannt geworden ist die Krankheit vor allem durch den Isländer und Araber jedoch sind heutzutage viel mehr Rassen betroffen und somit der Forschungsbedarf gestiegen.

Der Verursacher

Die Suche nach dem Verursacher der Allergie hat lange gedauert, doch mittlerweile ist es durch unterschiedliche Forschungen bestätigt: es ist der Speichel einer Mücke, welches es beim Stich Speichel absondert, um an Blut zu gelangen. Der Speichel sorgt dafür, dass das Blut nicht gerinnt und von der Mücke aufgenommen werden kann. Mit Mücken sind Insekten der Gruppe Culicoides gemeint oder auch bei uns bekannt als Gnitzen oder Kriebelmücken. Dabei ernähren sich nur die Weibchen von dem Blut und das hauptsächlich zu den Vermehrungszeitpunkten, die im April/Mai und im September/Oktober sind. Sie sind hauptsächlich an Standorten vorzufinden, die warm, windstill und feucht sind. Allein von der Kriebelmücke gibt es Norddeutschland sechs verschiedene Arten. Und es gibt noch mehr erforschte Insekten, die diese Allergie auslösen können, wie zum Beispiel die gemeine Stechfliege, der Wadenstecher oder auch die berühmte Bremse.

Klinisches Bild/Symptome

Untersuchungen haben ergeben, dass die Allergie bei den meisten Pferden schon in den ersten fünf Lebensjahren auftritt oder bei importierten Pferden nach ein bis zwei Jahren. Da sich die Mückenlarven ab April anfangen zu entwickeln, können um diesen Zeitraum herum auch schon die ersten Symptome auftreten. Dabei bevorzugt die Mücke Körperstellen, wo die Haare senkrecht stehen, das bedeutet: Mähnenkamm, Schweifrübe, Kruppe, Widerrist, Schopf, Bauchnaht.

Dann durchläuft das Pferd fünf Stadien:

  1. Vorläufer- oder Prodromalstadium:
    erste Reaktionsanzeichen, wie z.B. heftige Reaktionen auf Fliegen/Mücken, aber ohne Allergiesymptome.
  2. Erstes oder Papulöses Stadium:
    Papeln oder auch stecknadelkopfgroße Beulen, die einen lokalen Juckreiz auslösen à Wegscheuern der Haare beginnt
  3. Aufgescheuertes oder Eskoriationsstadium:
    wenn die Haare abgescheuert sind, kommt es zu oberflächlichen Hautabschürfungen bis hin zu Verletzungen der obersten Hautschicht
  4. (Sekundär infiziertes oder ulcerierendes Stadium):
    muss nicht unbedingt eintreten, aber die offenen Hautstellen sind natürlich ein super Ort für weitere Infektionen durch Parasiten
  5. Heilungs- oder Regenerationsstadium:
    Abheilung der Haut

Zeitlich gesehen kann diese Prozedur ein Jahr dauern, so dass es regelrecht zum Teufelskreislauf wird. Durch den chronischen Verlauf und der permanenten Reizung kommt es zur dauerhaften Schädigung der Haut. Das äußert sich zum Beispiel durch permanente Kahlheit oder durch Verdickung/Verhärtung der Haut

Einflussfaktoren/Behandlungsmöglichkeiten

Viele Faktoren haben einen Einfluss auf die Entwicklung und Ausprägung der Allergie. Gleichzeitig stellen sie aber auch eine Behandlungsmöglichkeit dar.

 Rasse

Obwohl mittlerweile viele Rassen betroffen sind, kann man sagen, dass importierte Pferde anfälliger sind. Gerade Rassen aus süd- und nordeuropäischen Ländern neigen zum Ekzem. Eine Erklärung hierfür könnte die unterschiedliche Witterung und Nahrungsgrundlage sein.

Unser Einfluss - achtet beim Pferdekauf auf die Herkunft des Pferdes (Standort, Eltern, Kindheit). Mit Hilfe des funktionellen In-Vitro-Tests lässt sich schon im Vorfeld ermitteln, ob das Pferd zum Ekzemer neigt. Nach dem Kauf die Ernährung nicht um 180° drehen, sondern der Rasse entsprechend anpassen/weiterführen.

 

 Standort

Die Auswirkungen des Ekzems sind nicht nur Landesabhängig sondern auch innerhalb des Landes unterschiedlich. Da die Mücken Gewässer und Windstille bevorzugen, sind die Ekzemer an den Küsten z.B. selten.

Unser Einfluss - hier haben wir nur einen geringen Einfluss, da wir natürlich das Pferd dort hinstellen werden, wo wir leben und dies kann man sich eben nur bedingt aussuchen. Trotzdem könnte man auch hier beim Pferdekauf drauf achten und den neuen Lebensraum dabei berücksichtigen

 

 Fütterung

Schlechtes Futter wirkt sich schlecht auf den Stoffwechsel aus, denn es belastet die Entgiftungsorgane und somit auch das Immunsystem. Zu viel Zucker, Eiweiß, Fett und Stärke durch Gras oder Müslis, aber auch Toxine, Zusatzstoffe oder Chemikalien belasten die Entgiftungsorgane. Dies hat dann einen negativen Einfluss auf das Immunsystem. Anzeichen hierfür sind z.B. ein verzögerter Haarwechsel, Borken, Schuppen, parasitäre Infektionen oder schlechte Wundheilung. Auch ein Nährstoffmangel ist oft nicht auszuschließen. Bei Ekzemern sind es oft ein Zink-, Selen-, Mangan- oder Kupfermangel. Es sollte aber auch auf das Kalzium-Phosphor-Verhältnis geachtet werden. Dabei gibt es bei den Mineralstoffen erhebliche Unterschiede. Zink sollte z.B. organisch gebunden sein (Aminosäure-Zinkchelat Hydrat nicht Zinkoxid oder Kupfersulfat).

Unser Einfluss - Es gilt: so einfach wie möglich und so viel wie nötig, denn gutes

Grundfutter ist das A und O. Das heißt gutes Heu und Mineralfutter. Verzichtet auf

zuckerhaltige Futtermittel wie Müsli, Karotten, Äpfel gerade zur Koppelzeit. Überprüft das

Heu auf Qualität und lasst das Blut auf spezifischen Mängeln wie oben erwähnt, untersuchen.

Probiert nicht wild herum, denn auch alles Neue belastet zunächst die Organe

 

 Haltung
Auch die Pferdehaltung kann das Ekzem negativ und positiv beeinflussen.

Unser Einfluss - 2er Haltung ist schwierig aufgrund der Fellpflege. Der Juckreiz der Ekzemer ist oft so extrem, dass sie den Koppelpartner durch heftigeres Zubeißen dazu drängen wollen den Juckreiz zu stillen. Das gesunde Pferd bricht dies dann oft ab. Bei zwei Ekzemern kommt es häufig dazu, dass sie sich gegenseitig blutig beißen. Trotzdem sollte den Ekzemern die Möglichkeit gegeben werden sich scheuern zu können, ohne sich aber zu verletzen. Hierfür bieten sich z.B. sogenannte Besengalgen an. Kommt das Pferd zu falschen Zeiten auf die Koppel, wie in der Abenddämmerung oder früh morgens, erwischt es die Hauptgeschäftszeiten der Mücken und es hat keine ruhige Minute auf der Koppel. Deswegen empfehlen sich Koppelzeiten zwischen 10 und 13 Uhr oder eine Haltung in der das Pferd selber entscheiden kann, wann es rausgeht. Unterstände/Boxen sollten kühl ein wenig dunkler und nicht ganz windstill sein.

 

 Pflege

Bei der Pferdepflege gibt es einige Punkte, die wir beachten können, um es dem Pferd leichter zu machen.

Unser Einfluss - Bitte das Pferd nicht scheren oder irgendwelche Regionen ausrasieren, denn es bietet nur noch mehr Angriffsfläche für die Mücken. Ekzemerdecken können eine riesige Hilfe sein, jedoch sollte man darauf achten, dass sie nicht in offenen Wunden scheuern. Putzzeug, Decken, Schabracken sollten regelmäßig mit einem hautfreundlichen und duftlosen Waschmittel waschen. Bei sämtlichen Salben, Lotionen und Sprays immer auf Verträglichkeit und gute Qualität achten. Es gibt einige Chemiekeulen, die vielleicht kurzfristig helfen, aber dem Pferd langfristig keinen Gefallen tun. Jedes Pferd reagiert auf Stoffe unterschiedlich, deswegen am besten erst auf kleinen Flächen auf Verträglichkeit prüfen. Auch das Pferd nicht zu oft waschen, denn Wasser zieht bekanntlich die Mücken an.

 Psyche/Stressbelastung
Zwar nicht wissenschaftlich belegt, aber auch wir wissen wie unser Immunsystem geschwächt wird oder sich das Hautbild verändert, wenn wir Stress haben oder wir uns nicht wohl fühlen.

Unser Einfluss – natürlich den Stress vermeiden. Dazu gehört z.B. das Vermeiden von ungünstigen Koppelzeiten oder Behandlungsmethoden, die für das Pferd stressig sind. Es gibt auch einige Pferde, bei denen zu extremen Zeiten auf Turniere oder sogar komplett auf das Reiten verzichtet werden muss.

Worauf haben wir leider keinen Einfluss?

Alter
Man hat festgestellt, dass die meisten Pferde das Ekzem in den ersten 5 Lebensjahren entwickeln. Beim Importpferden entwickelt es sich, wenn dann 1 bis 2 Jahre nach der Ankunft.

Witterung
Mücken mögen es warm und feucht. Sie verabscheuen Wind oder zu viel Trockenheit. Letztes Jahr war es zum Beispiel (zumindest für uns in Bayern) für die Ekzemer ein gutes Jahr. Hierauf haben wir natürlich auch keinen Einfluss.

Zusätzlich zu den genannten Möglichkeiten gibt es eine Reihe von Behandlungen, die von Tierärzten, Therapeuten o.ä. angeboten werden. Aufbereitungen von Eigenblut oder Gegensensibilisierung, Hyposensibilisierung, Insol®-Injektionen, Eigenbluttherapie, Paramunisierung, Engystol ad us vet. ® und unspezifische Immunmodulation sind nur ein Teil davon. Aus der Alternativmedizin gibt es dann noch Akupunktur, Homöopathie, Schüßler-Salze, Kräuter, Kortikoide, Antihistaminika oder Bioresonanz. Sich da zu entscheiden überfordert einen zunächst. Hinzu kommt, dass die Wissenschaft ganz eindeutig sagt, dass es zurzeit keine Methode gibt, die Heilung verspricht. Was uns also übrig bleibt, sind die Symptome zu lindern und für unser Pferd die beste Methode zu finden. Dabei geht man zum einen nach dem „Try and Error“ Verfahren vor, aber auch durch taktische Vorüberlegungen. Schließlich kennt man sein eigenes Pferd am besten. Grundsätzlich gilt, dass mit der Therapie so früh wie möglich begonnen werden muss. Das heißt, sobald das Pferd die ersten Anzeichen zeigt. Aber auch bei Pferden, die schon Ekzemer sind, empfiehlt es sich im Frühjahr vor den ersten Symptomen zu beginnen.

Literatur

brunner, Mag. med. vet. Magdalena (2015): Therapie des Sommerekzems mit         Insol® Dermatophyten – eine Feldstudie. Dissertation an der freien Universität       Berlin – Fachbereich Veterinärmedizin
Geiben, Tanja (2003): Untersuchungen zum Sommerekzem sowie zum Einfluss       des Immunmodulators Baypamun N® auf die Typ I-Allergie der Pferde.                 Dissertation an der tierärztlichen Hochschule Hannover.
Lange, Susanne (2004): Untersuchung zur Vererbung des Sommerekzems beim     Islandpferd. Dissertation an der tierärztlichen Hochschule Hannover.
Rüsbüldt, Anke (2007): Sommerekzem – Vorbeugen, Erkennen, Behandeln.             Cadmos Verlag GmbH, Brunsbek
https://www.dr-susanne-weyrauch.de/gesundheit/sommerekzem
https://www.atm.de/blog/redaktionelles/das-grosse-jucken-sommerekzem-bei-         pferd
https://vtg-tiergesundheit.de/Pferd/Krankheiten/Sommerekzem

 

 Botanica

Passend zu unserem aktuellen Blogbeitrag wollen wir euch noch eine irische Firma vorstellen, die ein gutes Produkt für Sommerekzemer haben.

Botanica International Ltd. wurde 2005 gegründet, um dem wachsenden Bewusstsein für Naturprodukte Rechnung zu tragen und die Wunder der Heilkraft der Natur zu nutzen.

Sie haben ein natürliches Kräutersortiment entwickelt, um häufige Hautprobleme zu behandeln. Das Kräutersortiment enthält eine Kombination natürlicher Inhaltsstoffe wie Teebaumöl, Lavendel, Aloe Vera, Beinwell, die alle nachweislich positive Eigenschaften haben.

Das Kräutersystem von Botanica fördert bei eine Hautverletzung ein gesundes Zellwachstum und eine vollständige Erholung ohne Narbenbildung.

Mittlerweile sind die Produkte schon bei Nick Skelton und der Queen eingezogen.

Die Produkte für Ekzemer

Cleansing Wash

Die Waschlotion beruhigt und ist antiseptisch. Es wird mit Wasser verdünnt und super geeignet zum Entfernen von toter Haut und Schuppen.

Anti-Itch Creme
Botanica's Anti-Juckreiz-Creme hilft bei der Beruhigung und Befeuchtung der Haut. Mit ihrer einzigartigen Mischung aus pflanzlichen Eigenschaften wirkt es schnell und hat ein eingebautes natürliches Insektabwehrmittel

Behandlung mit Botanica

Beginn im März/April: Die ersten 5 Tage lang täglich, dann eine Woche lang jeden zweiten Tag.

Wiederholung im Juli/August: eine Woche lang täglich

  • Cleansing wash in die Verschlusskappe füllen und davon 4 Einheiten in 1 Liter warmes Wasser mischen (auch höher dosiert möglich für schwere Fälle)
  • Tipp: am besten in eine Sprühflasche füllen zum leichteren Auftragen
  • Anschließend die betroffenen Hautstellen mit dem Cleansing Wash Wasser waschen und gründlich von toter Haut befreien
  • Das Cleansing Wash für 3 bis 5 Minuten wirken lassen. Nicht auswaschen!
  • Anschließend die Anti-Itch Cream auftragen und einmassieren. Nach Bedarf diesen Vorgang nach 5 Minuten wiederholen

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