Studie des Monats · Folge 1
Nur jeder zehnte Sattel war in Ordnung
196 Schweizer Reitpferde, alle von ihren Besitzern für gesund gehalten. Was passiert, wenn man nachmisst statt zu vertrauen.
Dies ist die ausführliche Fassung zur ersten Folge unserer Reihe „Studie des Monats". Die Kurzfassung habt ihr im Newsletter bekommen – hier stehen alle Zahlen, alle Passform-Kriterien und die Grenzen der Untersuchung.
95 % der Reiterinnen und Reiter hielten ihren Sattel für ideal passend
10 % der Sättel waren tatsächlich ohne jeden Befund
29 % der Pferde zeigten beim Abtasten Schmerzanzeichen
Inhalt
Kurzfassung
Sortierhilfe: Was ist Peer Review?
Einleitung: Warum diese Studie?
Material und Methoden
Die acht Passform-Kriterien im Detail
Ergebnisse
Diskussion
Die Grenzen dieser Studie
Konklusion
Was das für euch heißt
Kurzfassung
Ein Forschungsteam der Vetsuisse-Fakultät in Zürich hat 196 Schweizer Reitpferde und ihre Sättel untersucht. Die Studie wurde 2021 veröffentlicht. Alle Pferde galten aus Sicht ihrer Besitzerinnen und Besitzer als völlig gesund. 95 Prozent der Reiterinnen und Reiter gaben vorher an, ihr Sattel passe ihrem Pferd ideal.
Das Ergebnis war ernüchternd.
Nur bei jedem zehnten Pferd war der Sattel ohne Befund. Bei 15 Prozent lag der Druck unter dem Sattel im kritischen Bereich. Und fast jedes dritte Pferd zeigte Anzeichen von Rückenschmerzen – die Besitzerinnen und Besitzer wussten davon nichts.
Und selbst eine geschulte Fachperson kam bei einigen Passform-Kriterien zu ganz anderen Urteilen als die objektive Druckmessung. Das Interessante daran: Beide hatten recht. Nur eben über verschiedene Momente.
Fazit: Sattelpassform, Rückenschmerzen und Bewegungsauffälligkeiten sind für uns viel schwerer zu erkennen, als wir es gerne hätten.
Kleine Sortierhilfe: Peer Review
Diese Studie ist peer-reviewed. Das heißt: Bevor sie im Journal of Equine Veterinary Science veröffentlicht wurde, haben mehrere unabhängige Fachkolleginnen und Fachkollegen die Arbeit kritisch durchleuchtet. Sind die Methoden solide? Stimmen die Zahlen? Halten die Schlussfolgerungen dem stand, was die Daten wirklich zeigen?
Erst wenn diese Prüfung bestanden ist, darf eine Studie erscheinen.
Peer Review ist der Goldstandard für wissenschaftliche Glaubwürdigkeit – und genau der Unterschied zu einem Blogartikel oder einem Reitzeitschriften-Bericht, wo in der Regel niemand außer Autor und Redaktion draufschaut. In dieser Serie stellen wir euch nur Studien vor, die dieses Verfahren durchlaufen haben.
Einleitung: Warum diese Studie?
Bevor eine wissenschaftliche Studie überhaupt geplant wird, steht immer eine Frage im Raum, auf die es noch keine Antwort gibt. Bei dieser Arbeit waren es sogar drei Fragen gleichzeitig.
Die erste Frage war praktisch. Dass ein unpassender Sattel dem Pferd schaden kann, wissen wir alle. Aber wie häufig kommt das wirklich vor, wenn man sich ganz gewöhnliche Reitpferde anschaut? Es gab dazu Vorarbeiten – eine britische Untersuchung kam auf 43 Prozent unpassende Sättel, eine frühere Schweizer Arbeit derselben Gruppe auf 74 Prozent. Aber die Zahlen lagen weit auseinander, und niemand hatte die Passform Kriterium für Kriterium aufgeschlüsselt.
Die zweite Frage war methodisch. Sattelanpassung ist bis heute vor allem Handwerk und geschulte Erfahrung. Eine erfahrene Sattlerin schaut, tastet, prüft, entscheidet. Daneben gibt es seit den 1990er-Jahren die elektronische Druckmessmatte, die harte Zahlen liefert. Beide Methoden werden nebeneinander verwendet – aber niemand hatte systematisch überprüft, ob sie überhaupt zu den gleichen Urteilen kommen. Wenn ja: gut. Wenn nein, muss man wissen, wo genau die eine oder die andere blinde Flecken hat.
Die dritte Frage geht am tiefsten. Wir wissen, dass Sattelprobleme und Rückenschmerzen zusammenhängen. Aber ist der reine Druck unter dem Sattel wirklich der Grund für die Schmerzen? Oder spielen andere Dinge auch eine Rolle – etwa die Symmetrie oder die Balance des Sattels?
Daraus wurden die drei Studienfragen:
- Wie viele Sättel bei „normalen" Reitpferden passen wirklich?
- Sieht eine erfahrene Fachperson dasselbe wie eine elektronische Druckmessmatte?
- Hat der Druck unter dem Sattel überhaupt etwas mit Rückenschmerzen zu tun – oder ist etwas anderes wichtiger?
Material und Methoden
Wer hat geforscht?
Die Studie kommt vom Pferdedepartement der Vetsuisse-Fakultät in Zürich, einem der erfahrensten Häuser für Pferdemedizin in Europa.
Erstautorin ist Dr. Marie Dittmann, Biologin mit ETH-Promotion, die zum Zeitpunkt der Studie in Zürich forschte. Letztautorin und damit wissenschaftliche Leitung: Dr. Selma Latif, Tierärztin, Chiropraktikerin und Fachtierärztin für Pferdesportmedizin. Mit im Team Prof. Michael Weishaupt vom Zentrum für Pferdesportmedizin sowie Samuel Arpagaus und Valerie Hungerbühler, die die Feldarbeit mit den Pferden mitgestemmt haben.
Wer wurde untersucht?
Gesucht wurden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer über Schweizer Pferdemedien. In die Auswertung kamen am Ende 196 Pferd-Reiter-Paare mit englischen Sätteln.
Wichtig: Alle diese Pferde galten aus Sicht ihrer Besitzer als völlig normal und reitbar. Kein Pferd war offensichtlich lahm.
| Sattelarten | 44 % Dressur, 37 % Springen, 18 % Vielseitigkeit |
| Hersteller | 64 % von Schweizer Herstellern |
| Unterlagen | 57 % Lammfell, 31 % dünne Schabracke, 11 % Spezialmaterialien |
| Pferde | 10 ± 3 Jahre, 165 ± 7 cm Stockmaß, 76 % europäische Warmblüter |
| Reiter und Reiterinnen | 37 ± 12 Jahre, 67 ± 11 kg, 94 % Frauen |
Gemessen wurde mit der eigenen Unterlage der Reiterinnen und Reiter. Eine bewusste Entscheidung: Viele Schweizer Sattler berücksichtigen bei der Anpassung, welche Unterlage tatsächlich benutzt wird. Die Studie wollte die Realität abbilden, nicht eine Laborsituation.
Und zwei Zahlen aus der Vorab-Befragung, die später wichtig werden:
- 95 % hielten ihren Sattel für ideal passend.
- 47 % ließen ihn nicht regelmäßig von einer Fachperson prüfen. Die letzte Kontrolle lag im Schnitt 9,8 Monate zurück – bei einer Spannweite von null bis 80 Monaten.
Wie die Studie durchgeführt wurde
Die Studie lief in zwei Teilen: zuerst ein Fragebogen zu Hause, dann die praktische Untersuchung vor Ort.
Teil 1 — Der Fragebogen
Vorab füllten alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer online einen umfangreichen Fragebogen mit rund 107 Fragen aus. Darin ging es um die eigene Einschätzung: Passt der Sattel? Wer hat ihn angepasst, und wie oft wird er kontrolliert? Geht das Pferd lahmfrei? Sind schon einmal Rückenprobleme aufgefallen?
Aus diesem Teil stammen die 95 Prozent, die ihren Sattel für ideal passend hielten. Genau diese Selbsteinschätzung wurde anschließend mit der Messung verglichen.
Teil 2 — Die Untersuchung vor Ort. An einem Untersuchungstag bekam jedes Pferd das volle Programm, in drei aufeinanderfolgenden Schritten.
Schritt 1 — Beurteilung des Sattels von Hand
Die Sattelbeurteilung übernahm eine Tierärztin – mit Sattler-Zusatzausbildung durch den Schweizerischen Leder- und Textilverband (SLTA) und dreizehn Jahren praktischer Erfahrung an tausenden Patienten. Sie arbeitete nach einem Prüfschema, das den SLTA-Grundsätzen und den international veröffentlichten Passform-Leitlinien entspricht.
Dass es nur eine Beurteilerin war, ist relevant – wir kommen weiter unten darauf zurück.
Schritt 2 — Objektive Druckmessung während des Reitens
Eine elektronische Druckmessmatte (Pliance Saddle System) wurde unter Sattel und Unterlage gelegt und auf Null gesetzt. Nach zehn Minuten freiem Aufwärmen absolvierte jedes Paar einen standardisierten Ritt von etwa neun Minuten in einer 20 × 60 m Halle: Schritt, Leichttraben, Aussitzen und Galopp, auf beiden Händen. Gemessen wurde jeweils 20 Sekunden auf der langen Seite, im Galopp auf einem 20-m-Zirkel.
Ausgewertet wurde nicht der Durchschnittsdruck über den ganzen Sattel, sondern der höchste mittlere Druck auf der am stärksten belasteten Fläche von 37,5 cm² – also dort, wo es dem Pferd am meisten weh tut.
Schritt 3 — Rückenuntersuchung
Vor dem Ritt wurde jedes Pferd von einer erfahrenen Tierärztin abgetastet. Fünf Muskeln auf beiden Seiten, also zehn Punkte:
- der breite Rückenmuskel (M. latissimus dorsi)
- der lange Rückenmuskel, Brustabschnitt (M. longissimus thoracis)
- der Dornmuskel, Brustabschnitt (M. spinalis thoracis)
- der Kapuzenmuskel, Brustanteil (M. trapezius pars thoracica)
- der mittlere Kruppenmuskel (M. glutaeus medius)
| Wert | Reaktion des Pferdes |
|---|---|
| 0 | keine |
| 1 | Muskelzucken, leichte Verspannung |
| 2 | angelegte Ohren, Ausweichen, Kopfschlagen, Schweifschlagen |
| 3 | Beißen, Treten, Lautäußerung, starkes Wegdrücken des Rückens |
Die Summe über alle zehn Punkte ergibt den Rückenschmerz-Score, von 0 bis maximal 30.
Die Passform-Kriterien im Detail
Geprüft wurden sieben Passform-Kriterien. Das sind genau die Punkte, die auch eine gute Sattlerin bei euch zu Hause prüfen würde.
1. Symmetrie der Polster
Sind linke und rechte Seite gleich aufgebaut? Ein Sattel mit ungleich gepolsterten Seiten verteilt das Reitergewicht ungleichmäßig und begünstigt einseitige Verspannungen. Dieses Kriterium zeigte in der Studie den stärksten Zusammenhang mit Rückenschmerzen.
2. Qualität der Polsterung
Ist das Füllmaterial gleichmäßig verteilt, homogen, in gutem Zustand? Verklumpte oder verhärtete Wolle erzeugt Druckspitzen an Stellen, an denen keine sein sollten. Das war mit 49 Prozent der häufigste Einzelbefund der ganzen Studie.
3. Breite des Sattelkanals
Der Kanal ist der freie Streifen mittig unter dem Sattel, unter dem die Wirbelsäule liegt. Er muss über die gesamte Sattellänge breit genug sein, damit die Dornfortsätze – die knöchernen Spitzen der Wirbel, die ihr als Linie entlang des Rückens ertasten könnt – und ihre Bänder nicht direkt gedrückt werden. Als Untergrenze galten 6 cm – etwa vier Fingerbreiten. Ein ehrlicher Hinweis der Autorinnen dazu: Dieser Wert steht in mehreren Leitlinien, ist aber experimentell nie validiert worden.
4. Winkel der Polster
Passt der Winkel der Polster im hinteren Sattel-Drittel zur Form des Pferderückens an dieser Stelle? Beurteilt wird das im Blick von hinten auf das stehende Pferd. Stimmt der Winkel nicht, trägt nur eine Kante des Polsters – und genau dort steigt der Druck.
5. Winkel und Weite des Kopfeisens
Der Winkel des Kopfeisens muss der Form des Widerrists am Beginn der Sattellage entsprechen – also dort, wo der Sattel hinter dem Schulterblatt aufliegt, damit die Schulter frei bleibt. Geprüft wird das, indem die Hand von oben nach unten zwischen Sattelvorderkante und Pferderücken geschoben wird: Der Druck sollte auf der ganzen Länge gleichmäßig sein. Ist der Winkel zu eng, kneift der Sattel im unteren Bereich des Kopfeisens. Ist er zu weit, sitzt der Sattel vorne zu tief und kippt nach vorne.
6. Krümmung des Sattels
Krümmt sich der Sattel so wie der Rücken des Pferdes? Ein Sattel, der flacher gebogen ist, brückt und liegt nur vorne und hinten auf. Ein Sattel, der stärker gebogen ist, wippt auf einem Mittelpunkt. Beides sollte Druckspitzen erzeugen – so die Erwartung. Genau dieser Punkt hat der Studie eine Überraschung geliefert.
7. Balance
Ist der Sattel in der Waage, oder kippt er nach vorne oder hinten? Der tiefste Punkt des Sitzes sollte in der Mitte liegen. Kippt er nach vorne, rutscht ihr in die Kammer und euer Bein wandert nach hinten. Kippt er nach hinten, sitzt ihr im Hinterzwiesel und euer Gewicht drückt auf den hinteren Rückenbereich.
Der achte Punkt: die Sattel-Taille
Die Taille ist die schmalste Stelle oben, dort wo die Innenseite eurer Oberschenkel den Sattel berührt. Die Studie führt sie bewusst getrennt, weil sie primär ein Reiterkomfort-Merkmal ist: Viele mögen eine schmale Taille, weil sie sich dem Pferd näher fühlen und die Beine weniger spreizen müssen.
Der Haken: Eine schmale Taille erreicht man über einen Sattelbaum, der in diesem Bereich stärker gewölbt ist oder steilere Winkel hat. Und die Taille liegt genau über dem Abschnitt vom 10. bis 13. Brustwirbel – dem druckempfindlichsten Bereich unter dem Sattel. Es gibt Forschung, die zeigt: Senkt man dort den Spitzendruck, verbessert sich die Bewegung messbar – das Pferd greift vorne und hinten weiter aus, beugt Vorderfußwurzel- und Sprunggelenk stärker und wölbt den Rücken mehr auf.
Anders gesagt: Was der Reiterin angenehm ist, kann dem Pferd genau dort weh tun, wo es am empfindlichsten ist.
Hinweis für zu Hause: Das sind Prüfungen im Stand. Ein Sattel muss aber immer auch in allen drei Gangarten und auf beiden Händen beobachtet werden – die Oberlinie des Pferdes verändert sich in der Bewegung. Warum das so entscheidend ist, zeigt gleich der Vergleich zwischen Hand und Messmatte.
Ergebnisse
Die drei Kernzahlen
| in Ordnung | mit Befund | |
|---|---|---|
| Sättel ohne Passform-Problem | 10 % | 90 % |
| Druck unter dem Sattel | 85 % | 15 % |
| Anzeichen von Rückenschmerzen | 71 % | 29 % |
Zur Erinnerung: Das waren alles Pferde, die von ihren Besitzern als gesund eingeschätzt wurden. Und 95 Prozent hielten ihren Sattel für ideal.
Welche Probleme waren am häufigsten?
| Kriterium | Anteil mit Befund |
|---|---|
| Polsterqualität unzureichend | 49 % |
| Kanal schmaler als 6 cm | 42 % |
| Kopfeisen unpassend 24 % zu eng, 18 % zu weit | 41 % |
| Balance nicht in der Waage 13 % nach vorn, 11 % nach hinten | 24 % |
| Polster asymmetrisch | 23 % |
| Krümmung unpassend 15 % brückend, 7 % wippend | 21 % |
| Polsterwinkel unpassend | 19 % |
| Sattel-Taille schmal | 73 % |
Nur ein Viertel der Sättel hatte genau ein Problem. Zwei Drittel hatten mehrere gleichzeitig.
Und der Druck?
Was ist kPa?
Druckmessmatten geben ihre Werte in Kilopascal (kPa) an. Das ist die international übliche Einheit für Druck, also Kraft pro Fläche. Zum Übersetzen ins Anschauliche: 1 kPa entspricht rund 10 Gramm, die auf einem Quadratzentimeter lasten. Ein Wert von 11 kPa bedeutet also etwa 110 Gramm auf jedem Quadratzentimeter der am stärksten belasteten Stelle.
Der Spitzendruck stieg von Gangart zu Gangart – im Galopp lag er am höchsten:
| Gangart | Spitzendruck | über dem Grenzwert |
|---|---|---|
| Schritt | 11,0 kPa rund 110 g/cm² | 11,7 % |
| Trab, ausgesessen | 11,6 kPa rund 118 g/cm² | 5,6 % |
| Trab, leichtgetrabt | 12,4 kPa rund 126 g/cm² | 9,2 % |
| Galopp | 14,2 kPa rund 145 g/cm² | 6,1 % |
Die Grenzwerte selbst unterscheiden sich je nach Gangart: 15,3 kPa im Schritt, 18,1 kPa im Trab und 21,4 kPa im Galopp. Sie stammen aus einer früheren Arbeit, die diese Werte mit sichtbaren Druckzeichen am Pferd verknüpft hat.
Zählt man alle Gangarten zusammen, überschritten 14,8 Prozent der Paare in mindestens einer Gangart den jeweiligen Grenzwert.
Wenig überraschend, aber wichtig: Der Druck stieg mit dem Reitergewicht. Für alle weiteren Vergleiche wurde das Reitergewicht deshalb herausgerechnet – sonst hätte man am Ende nur gemessen, wer schwerer ist.
Was hat die Hand gesehen, was die Matte?
| Hand und Matte einig | Hand und Matte uneinig |
|---|---|
| Polsterwinkel | Balance |
| Sattelkrümmung | Winkel und Weite des Kopfeisens |
| Kanalbreite | Polstersymmetrie (nur im Schritt sichtbar) |
| Sattel-Taille |
Und die Kernbefunde zum Schmerz:
- Die absolute Höhe des Drucks hatte keinen Zusammenhang mit Rückenschmerzen. In keiner Gangart.
- Asymmetrische Polster: im Schnitt 1,4 Punkte höherer Schmerz-Score.
- Unpassendes Kopfeisen: im Schnitt 1,1 Punkte höherer Score.
- Und: Pferde mit unpassender Krümmung hatten niedrigere Schmerz-Scores als jene mit korrekter Krümmung. Ja, ihr habt richtig gelesen.
Diskussion
Kleine Sortierhilfe: Was ist die Diskussion?
Die Ergebnisse sagen euch, was herausgekommen ist. Die Diskussion sagt euch, was das bedeutet – und vor allem, was es nicht bedeutet.
Hier ordnen die Forscherinnen ihre Zahlen in die übrige Literatur ein, suchen Erklärungen für Überraschendes und benennen offen die Schwächen ihrer eigenen Arbeit. Dieser letzte Punkt ist der wichtigste. Eine Studie, die keine eigenen Schwächen nennt, solltet ihr mit Vorsicht lesen. Eine Studie, die ihre eigenen Grenzen sauber auflistet, ist vertrauenswürdiger – nicht schwächer.
1. Die Lücke zwischen Gefühl und Messung
95 Prozent hielten ihren Sattel für ideal. 10 Prozent waren ohne Befund.
Diese Lücke ist kein Vorwurf an die Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Es ist der Kern des Problems: Sattelpassform ist etwas, das man von oben, im Sitzen, in Bewegung, mit dem eigenen Pferd unter sich nicht zuverlässig beurteilen kann. Die Autorinnen verweisen auf frühere Arbeiten, die genau das schon gezeigt hatten.
Dazu passt die zweite Zahl: Fast die Hälfte ließ den Sattel nicht regelmäßig prüfen. Bei manchen Pferden hatte seit fast sieben Jahren niemand mehr nachgeschaut.
Die Autorinnen ziehen daraus zwei Forderungen: regelmäßige Kontrolle durch Fachpersonen und bessere Ausbildung der Besitzer, damit sie zumindest die groben Warnzeichen selbst erkennen.
2. Warum Hand und Matte sich beim Kopfeisen uneinig sind
Für die Punkte, bei denen Fachperson und Matte nicht zusammenkamen, gibt es eine sehr gute Erklärung – und die ist für die Praxis wichtiger als das Ergebnis selbst.
Der Rücken eures Pferdes ist im Stehen ein anderer als im Gang.
Das Kopfeisen wird von Hand am stehenden Pferd geprüft. Im Stehen ist die Muskulatur des Schultergürtels entspannt, der Bereich hinter dem Schulterblatt fällt ab und wirkt hohl. Ein Kopfeisen kann dort völlig zu weit erscheinen. Sobald das Pferd geritten wird und seine Rumpfmuskulatur aktiviert, füllt sich genau dieser Bereich auf – und dasselbe Kopfeisen liefert plötzlich ein sauberes Druckbild.
Genau das nennen die Autorinnen als wahrscheinlichste Erklärung. Es gibt Forschung, die zeigt, dass sich die Rückenform unter Belastung erheblich verändert.
Ein zweiter Grund: Jedes Pferd wurde nur mit einem Sattel gemessen – dem eigenen. Frühere Experimentalstudien, die dasselbe Pferd mit absichtlich zu engen und zu weiten Bäumen geritten haben, fanden sehr wohl die erwarteten Druckmuster. Wenn man 196 verschiedene Pferde mit 196 verschiedenen Sätteln vergleicht, verschwindet dieser Effekt im Rauschen.
Und trotzdem: Pferde mit unpassendem Kopfeisen hatten im Schnitt einen höheren Rückenschmerz-Score. Das Kopfeisen tut also offenbar etwas – nur nicht bei jedem Sattel dasselbe. Ein zu enges Kopfeisen kann den Sattel vorne anheben und damit ein Brücken mit Vier-Punkt-Auflage erzeugen. Bei einem anderen Sattel bleibt der Effekt lokal auf den vorderen Bereich begrenzt. Zwei völlig unterschiedliche Druckbilder aus derselben Ursache – im Mittel über 196 Pferde heben sie sich gegenseitig auf.
Was ihr euch davon mitnehmen könnt: Eine Druckmessung, die „grün" aussieht, ist kein Beweis dafür, dass das Kopfeisen passt. Und ein Handbefund am stehenden Pferd ist kein Beweis dafür, dass es nicht passt. Beides zusammen, plus Blick auf das Pferd in Bewegung – das ist die Antwort.
3. Die Polstersymmetrie und die Frage nach Ursache und Wirkung
Asymmetrische Polster waren der Punkt, der am deutlichsten mit Rückenschmerzen zusammenhing. Aber hier wird die Diskussion ehrlich – und das ist vielleicht der wichtigste Gedanke der ganzen Arbeit:
Man weiß nicht, was zuerst kam.
Drei Möglichkeiten stehen im Raum:
- Der Sattel ist ungleich gepolstert und macht das Pferd schief und schmerzhaft.
- Die Reiterin sitzt schief, belastet den Sattel ungleich, und das Polster hat sich über Jahre entsprechend verformt.
- Das Pferd geht schief – etwa wegen einer versteckten Hinterhandlahmheit – der Sattel rutscht dadurch, und auch das formt das Polster ungleich.
Für die dritte Variante gibt es gute Belege: Greve und Dyson haben gezeigt, dass Hinterhandlahmheit zu Sattelrutschen führt. Über Jahre wird daraus ein asymmetrisches Polster.
Die Autorinnen schreiben es selbst: Es ist schwer zu sagen, ob asymmetrische Polster ein Anzeiger für Rückenschmerz sind oder eine Ursache. Sie hätten es nur beantworten können, wenn sie gewusst hätten, woher die Asymmetrie kommt – ob vom Sattler absichtlich so eingepolstert, ob vom Reiter oder vom Pferd. Diese Information hatten sie nicht.
Für euch heißt das trotzdem dasselbe: Ein asymmetrisches Polster ist ein Alarmsignal, das ihr abklären lassen solltet. Nur ist der nächste Schritt nicht automatisch „neu polstern", sondern erst die Frage: Warum ist es asymmetrisch geworden?
Wer nur nachpolstert und die Ursache stehen lässt, hat das Problem in einem Jahr wieder.
4. Das überraschendste Ergebnis: brückende Sättel mit weniger Schmerz
Jetzt der Befund, den die Autorinnen selbst „überraschend" nennen – und den ich euch nicht verschweigen will, weil er dem widerspricht, was wir alle gelernt haben.
Pferde, deren Sattel als brückend oder wippend eingestuft wurde, hatten im Schnitt niedrigere Rückenschmerz-Scores als Pferde mit einem Sattel, dessen Krümmung als korrekt bewertet wurde. In Zahlen: 3,9 bei korrekter Krümmung, 2,7 bei wippenden, 2,4 bei brückenden Sätteln.
Die Autorinnen bieten dafür eine ausdrücklich als spekulativ gekennzeichnete Erklärung an: Ein leicht brückender Sattel gibt dem Pferd womöglich Raum, den Rücken unter dem Reiter aufzuwölben. Es gibt Forschung, die zeigt, dass sich bei tiefer Hals-Kopf-Position die Abstände zwischen den Dornfortsätzen vergrößern – was für die Rückengesundheit günstig sein kann. Und tatsächlich empfehlen manche Praktiker seit langem, Sättel mit einer minimalen Brücke anzupassen.
Wichtig: Die Autorinnen sagen selbst, dass das experimentell überprüft werden muss – und dass ihre Erklärung nicht erklärt, warum auch wippende Sättel niedrigere Werte hatten. Das ist ein offenes Rätsel, keine neue Regel.
Bitte nehmt daraus nicht mit, dass Brücken gut ist. Nehmt mit, dass wir bei der Krümmung weniger sicher sind, als wir dachten.
5. Warum Druck nicht gleich Schmerz ist
Fast ein Drittel der Pferde zeigte Rückenschmerz. Nur 15 Prozent lagen im kritischen Druckbereich. Diese beiden Zahlen ließen sich nicht zur Deckung bringen.
Erstens: Die Schwellenwerte messen etwas anderes. Die kritischen Druckwerte stammen aus einer Arbeit, die Druck mit klinischen Druckzeichen verknüpft hat – trockene Stellen im Schweißbild, Muskelschmerz, Hautschäden, Schwellung, lokale Überwärmung. Nicht mit Rückenschmerz, wie er hier durch Abtasten erhoben wurde. Es wurden also zwei verschiedene Dinge gemessen, die nicht zwingend zusammenfallen.
Zweitens: Rückenschmerz hat viele Ursachen. Die Autorinnen listen auf, was neben dem Sattel eine Rolle spielt: die Trainingsintensität – ein Pferd, das dreimal die Woche im Schritt ausgeritten wird, trägt eine ganz andere Last als eines, das mehrmals wöchentlich springt –, das Können und die Balance des Reiters, die Haltung des Pferdes in der Bewegung und zugrundeliegende Erkrankungen. Der Sattel ist ein Faktor. Er ist nicht der einzige.
Ihre Schlussfolgerung, und die ist für die Praxis zentral: Wahrscheinlich ist die Verteilung des Drucks für die Entstehung von Rückenproblemen wichtiger als die absolute Höhe.
6. Ein praktischer Nebenbefund: die Unterlage
Fast beiläufig steckt in dieser Studie ein Ergebnis, das ihr morgen umsetzen könnt.
Pferd-Reiter-Paare mit einem Lammfellpad hatten in allen Gangarten niedrigere Spitzendruckwerte als jene mit einer dünnen, nicht gepolsterten Schabracke. In allen drei Gangarten, statistisch klar.
Das deckt sich mit früheren Arbeiten: Kotschwar und Kollegen konnten zeigen, dass ein Fellpad die maximale Gesamtkraft unter dem Sattel senkt; MacKechnie-Guire und Kollegen fanden dasselbe für ein Woll-Halbpad im Aussitzen und im Galopp.
Aber: Ein Pad korrigiert keinen unpassenden Sattel. Es senkt Druckspitzen unter einem Sattel, der grundsätzlich passt. Wer mit einem dicken Pad einen zu engen Sattel „ausgleichen" will, macht ihn enger, nicht weiter.
Am Rande noch ein Befund für die Springreiter unter euch: Springsättel hatten in allen Gangarten höhere Spitzendrücke als Dressursättel. Die Autorinnen vermuten, dass das an der schmalen Taille liegt, die bei Springsätteln deutlich häufiger war – sie stabilisiert den Sitz beim Sprung, erhöht aber den Druck vorne innen.
Die Grenzen dieser Studie
Und jetzt der Teil, den die Autorinnen selbst geschrieben haben.
Es war eine Feldstudie, kein Experiment. Pferd und Reiter konnten nicht kontrolliert werden. Das war nötig, um überhaupt eine Häufigkeit in einer normalen Population bestimmen zu können, bedeutet aber: Die gefundenen Zusammenhänge könnten auf unbekannte Störfaktoren zurückgehen. Die Autorinnen sagen ausdrücklich, dass ihre gefundenen Zusammenhänge mit Vorsicht zu lesen und in weiteren Versuchen zu bestätigen sind.
Die Probleme kamen selten allein. Nur ein Viertel der Sättel hatte genau ein Problem, zwei Drittel hatten mehrere. Die Hypothesen betrachteten aber jedes Problem einzeln. Was ein Problem im Druckbild bewirkt, kann von einem zweiten überdeckt oder verstärkt worden sein.
Es gab nur eine beurteilende Person. Sie war hervorragend qualifiziert – aber sie war eine. Mit einer zweiten Beurteilerin hätte man sagen können, wie gut zwei Fachleute überhaupt übereinstimmen. Das weiß man aus dieser Studie nicht. Es gibt dazu eine britische Untersuchung an zwanzig zertifizierten Sattlern, die genau dieses Problem zeigt.
Der Erwartungseffekt. Ein bemerkenswert selbstkritischer Punkt: Weil das Ziel der Studie war, Passformprobleme zu finden, könnte die beurteilende Person besonders streng gewesen sein – und Dinge als Problem gewertet haben, die sie im normalen Kundenalltag durchgewinkt hätte. Die 90 Prozent könnten also eine Obergrenze sein.
Der Schmerz-Score war schwer zu interpretieren. Die Reaktionen der Pferde auf Abtasten waren individuell sehr unterschiedlich. Manche Pferde sind grundsätzlich empfindlicher als andere. Die Autorinnen halten es für möglich, dass genau diese Streuung erklärt, warum sich der Score so schlecht mit den Messwerten verknüpfen ließ.
Was die Autorinnen sich für die Zukunft wünschen
Ein Satz aus der Konklusion, der über die Studie hinausweist: Die Branche würde von klaren, quantitativen Kriterien für Sattelpassform profitieren. Also von Zahlen statt Gefühl.
Und die lassen sich nur in Experimenten entwickeln, die einzelne Aspekte isoliert untersuchen – etwa nur die Baumgeometrie – damit sich nicht mehrere Passformprobleme gegenseitig ins Ergebnis pfuschen.
Bis dahin bleibt es bei dem, was diese Studie zeigt: Hand und Matte sehen beide etwas. Aber keine von beiden sieht alles.
Wer die Studie bezahlt hat
Zur Vollständigkeit, weil wir das in dieser Serie immer transparent machen: Finanziert wurde die Arbeit von der Walter Haefner Stiftung, dem Schweizer Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen, der Stiftung Pro Pferd und dem Forschungskredit der Universität Zürich. Die Autorinnen erklären, keine Interessenkonflikte zu haben und keine finanziellen oder persönlichen Beziehungen, die den Inhalt beeinflussen könnten. Die Untersuchungen wurden von der Tierschutz- und der Ethikkommission des Kantons Zürich genehmigt.
Kein Sattelhersteller. Kein Sponsor mit Wunschergebnis.
Der größere Zusammenhang
Ab hier verlassen wir die Zürcher Studie und schauen, wie sie sich in die übrige Forschung einfügt.
Der Rückenschmerz bei fast jedem dritten dieser „gesunden" Pferde ist noch nicht die ganze Geschichte. Es gibt inzwischen mehrere große Untersuchungen an angeblich gesunden Reitpferden, bei denen mit objektiven Messungen genau hingeschaut wurde – mit Sensoren, die keine Meinung haben. Das Ergebnis ist quer über die Studien erstaunlich stabil: Ein erheblicher Teil dieser Pferde ist bei genauem Nachmessen nicht wirklich taktrein. Sie zeigen Bewegungsauffälligkeiten oder feine Lahmheiten, die im Reitalltag niemand bemerkt.
Und der Kreis schließt sich: Ein rutschender Sattel ist ein Warnzeichen für versteckte Hinterhandlahmheit. Rückenschmerzen verändern die Bewegung, was den Sattel wieder anders belastet. Der ungleich belastete Sattel verformt sich, wird asymmetrisch – und wirkt dann selbst auf den Rücken zurück.
Der Verdacht, den erfahrene Sattlerinnen, Physiotherapeutinnen und Tierärzte seit Langem haben, verdichtet sich durch diese Forschung immer mehr: In vielen Fällen von unerkannter Lahmheit und diffusen Rückenproblemen sitzt der Sattel als wichtige Mitursache mit im Boot. Nicht immer als einzige. Aber häufig als die, an der sich am schnellsten etwas ändern lässt.
Konklusion
Das Forschungsteam zieht drei zentrale Schlüsse.
Erstens: Unpassende Sättel sind viel häufiger, als die meisten Besitzerinnen und Besitzer denken. Ein Pferd kann äußerlich völlig gesund wirken und trotzdem mit einem Sattel gehen, der nicht wirklich passt.
Zweitens: Die Handbeurteilung liefert bei einigen Kriterien Informationen, die sich klar im Druckbild wiederfinden – bei anderen nicht. Und die Druckmessung findet Dinge, die die Hand am stehenden Pferd nicht finden kann. Die Kombination aus beidem liefert das beste Bild. Keine der beiden Methoden ersetzt die andere.
Drittens: Rückenschmerzen entstehen nicht allein durch die Höhe des Drucks. Wahrscheinlich ist die Verteilung wichtiger als die absolute Zahl – und daneben spielen Reiter, Bewegungsmuster, Trainingsintensität und Vorerkrankungen mit hinein.
Ein Sattel, der bei der Druckmessung „grün" ist, ist deshalb nicht automatisch ein guter Sattel.
Wir Reiterinnen und Reiter erkennen im Alltag nicht zuverlässig, ob unser Pferd einen passenden Sattel hat, ob es Rückenschmerzen hat oder ob es lahmfrei geht. Selbst dann nicht, wenn wir es täglich reiten.
Ein Hinweis noch: Bei Studien wie dieser bleiben am Ende viele Fragen offen. Gut möglich, dass weitere Studien folgen oder schon gefolgt sind. Und genau deshalb machen wir diese Serie.
Was das für euch heißt
Der Satz „mein Pferd geht ja ganz normal" ist leider kein verlässlicher Anhaltspunkt. 95 Prozent der Reiterinnen und Reiter in der Studie waren sich sicher, dass ihr Sattel passt.
Lasst regelmäßig prüfen.
Nicht, weil euer Gefühl schlecht ist, sondern weil das von oben nicht zu sehen ist. Und lasst zusätzlich Physio oder Tierarzt auf den Rücken schauen – die Kombination sagt mehr als jedes einzeln.
Symmetrie ist wichtiger als die absolute Zahl.
Ein asymmetrisches Polster ist ein Problem, selbst wenn „der Druck grün" aussieht.
Fragt beim asymmetrischen Polster nach dem Warum.
Nachpolstern allein reicht nicht, wenn die Ursache beim Reitersitz oder bei einer versteckten Lahmheit liegt.
Ein gutes Lammfellpad kann Druckspitzen senken.
Unter einem Sattel, der grundsätzlich passt. Als Reparatur für einen unpassenden Sattel funktioniert es nicht.
Sattelkontrolle im Umkreis von 200 km um München
Ihr könnt eine Sattelkontrolle direkt bei Helle buchen. Helle ist Physiotherapeutin, Osteopathin und Sattelfitterin und beurteilt euren Sattel nicht nur im Stand, sondern auch in allen drei Gangarten und auf beiden Händen.
Schreibt uns – dann finden wir einen Termin
In der nächsten Folge
Wir gehen tiefer in das Thema, das hier zwischen den Zeilen mitgeschwungen ist: Woran erkennt man besser, ob ein Sattel passt? Die Studie des Monats erscheint einmal monatlich im Newsletter und hier im Magazin.
Bis dahin, alles Liebe und gute Ritte,
eure Helle und das Team vom Helle Kleven Shop
Quelle
Dittmann MT, Arpagaus S, Hungerbühler V, Weishaupt MA, Latif SN (2021). „Feel the Force" – Prevalence of Subjectively Assessed Saddle Fit Problems in Swiss Riding Horses and Their Association With Saddle Pressure Measurements and Back Pain. Journal of Equine Veterinary Science 99:103388. DOI: 10.1016/j.jevs.2021.103388. Open Access (CC BY-NC-ND).